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Menschen beim Baden ertrunken! Es vergeht kaum ein sommerlicher Tag, an dem wir diese Meldung nicht lesen. Wer jetzt denkt: Wie kann das sein, das müssen die anderen Leute doch bemerken, wenn da einer zappelt und schreit! Weit gefehlt. Genau das ist das Märchen. Ertrinken geschieht leise!

Stefan Predikant von den Rettungstauchern im Main-Taunus-Kreis:

Das Problem ist: Ertrinken ist ein lautloser Tod!

Rettungstaucher (Foto: Rettungstaucher.org)
Rettungstaucher Rettungstaucher.org

Laut Predikant war es in vielen bekannten Fällen so, dass direkt neben spielenden Kindern ein Kind untergegangen ist und niemand hat es mitbekommen. Um Hilfe rufen oder winken geht nicht, weil das der Körper in dem Moment gar nicht leisten kann: „Das Um-Hilfe-Rufen oder winken kennt man aus dem Fernsehen, aber beim Ertrinken ist es so, dass der Körper damit beschäftigt ist den Kopf über Wasser zu halten. Jemand, der wirklich in Problemen steckt, dessen Kopf ist immer auf Höhe der Wasserlinie. Der guckt gar nicht mehr raus. Der Körper sagt erstmal atmen, dann sprechen. Und solange er darum kämpft überhaupt Luft zu bekommen, kann er nicht um Hilfe rufen oder auf sich aufmerksam machen. Die Hände wird er dafür benutzen den Kopf über Wasser zu halten“, so Predikant.

Was kann ich tun, wenn ich merke, dass mir die Kräfte ausgehen?

Es sei besser, so früh wie möglich auf sich aufmerksam zu machen, wenn man merkt, dass man in Probleme geraten könnte. „Nicht sagen: 'Ach, ich kann noch hundert Meter schwimmen' und dann feststellen: 'Okay, ich hab mich überschätzt.' Solange man noch rufen kann, sollte man auch wirklich um Hilfe rufen!“

Wenn man von Kindern nichts mehr hört, passiert oft etwas Schreckliches!

Gerade Eltern sollten besonders aufpassen und auf Warnsignale achten. Der Tod durch Ertrinken ist der zweithäufigste Unfalltod (nach Verkehrsunfällen) bei Kindern bis zu einem Alter von 15 Jahren – und dabei reicht bei Kleinkindern schon oft eine Wassertiefe von drei bis fünf Zentimetern aus. Stefan Predikant rät Eltern immer wieder hinzuschauen und in regelmäßigen Abständen darauf zu achten, wo die Kinder sind.

Gerade für Eltern gibt es die alte Regel: Wenn man nichts mehr hört, passiert etwas Schreckliches. Kinder, die im Wasser sind, die sind laut, die spielen, die planschen, die schwimmen, die machen irgendwas. Sobald ich nichts mehr höre, dann muss ich mir Gedanken machen!

„Lautloses Ertrinken“ – ein Film der SLRG

Warum ertrinken so viele Menschen?

Nur für Schwimmer (Foto: dpa/picture-alliance)
Nur für Schwimmer dpa/picture-alliance

2017 haben Rettungsorganisationen so viele Menschen vor dem Ertrinken gerettet wie nie zuvor. Ein Grund ist, dass Kinder immer schlechter und oft viel zu spät im Schwimmen ausgebildet werden. Aber es gibt noch einen anderen Grund: „Wir sind alle mobil und gehen an Gewässer, die wir nicht kennen. Früher war ich nur bei mir im Ort, mittlerweile fahre ich auch an einen See, der 50 Kilometer weit weg ist, weil er viel schöner ist – aber ich kenne dieses Gewässer nicht. Da kommt dann so ein Sammelsurium zusammen: Die Schwimmausbildung ist nicht bei jedem vorhanden und man ist dann noch in Gewässern, die man nicht kennt.“ Es kann in unbekannten Gewässern oft passieren, dass die Abbruchkante nicht weit vom Ufer entfernt ist und es auf einmal sehr schnell sehr tief werden kann.

Vorsicht vor zu kaltem Wasser!

Jeder See wird ab einer gewissen Tiefe sehr kalt. Das kann auch schon bei zwei, drei Metern passieren. Und da lauert die Gefahr: „Man kommt aus der Sonne, der Körper ist aufgewärmt, das heißt: Die Adern sind weit. Manchmal, wenn Alkohol dazu kommt, gleiches Problem: Die Adern sind weit. Ich springe dann aufgewärmt ins Wasser, es kühlt sofort runter, das kann dann zu einem Herzinfarkt führen, was an Land heißen würde: Ich falle um, jeder bekommt es mit und kann mir helfen. Unter Wasser heißt es natürlich: Keiner bekommt es mit, ich bin weg“, warnt Stefan Predikant.

Mehr Infos gibt es auf der privaten Seite der Rettungstauchergruppe Main-Taunus-Kreis

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