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Das Fahrrad ist ordentlich dreckig und braucht vor der nächsten Tour mal wieder eine Grundreinigung? Wir haben Tipps vom Experten für euch – und absolute No-Gos, mit denen ihr das Rad ruinieren würdet.

1. Grundwissen zum Reinigen des Fahrrads

Ein Eimer mit Spülwasser reicht völlig, um das Rad sauberzumachen. Was auch hilft, um den groben Dreck zu lösen: ein geeigneter Bike-Reiniger zum Aufsprühen.

So gehst du am besten vor:

  • Erstmal das ganze Bike waschen, dann Kette und Kassette. 
  • Bike dabei schon mal auf Beschädigungen checken und prüfen, ob die Reifen beschädigt oder rissig sind.
  • Danach die Kette sauber trockenreiben mit einem alten Lappen

Profi-Tipp: Zahnbürste, Topfbürste oder Pfeifenreiniger sind super, um die Kette und Ritzel zu reinigen.

WD40, Ballistol, Caramba (Kriech-Sprühöl) auf den Lappen sprühen und damit die Kette abreiben – das löst hervorragend den „Kettendreck“ und das alte Kettenöl ab.

ACHTUNG: Nicht direkt auf die Kette sprühen! Und: Keinen Hochdruckreiniger am Fahrrad verwenden!

Damit könnte Wasser auch in Lager und Dichtungen gepresst werden, wo es das Fahrrad auf Dauer nur kaputt macht. Außerdem könnten Lack und Aufkleber Schaden nehmen.

Fahrrad-Experte Daniel Pütz
Video: Daniel zeigt SWR3-Moderatorin Sabrina, wie es geht

SWR3-Moderatorin Sabrina hat ein Fahrrad, aber wenig Ahnung, wie genau sie das putzen und startklar machen soll. SWR3-Fahrrad-Experte Daniel Pütz hat ihr schnell die wichtigsten Punkte erklärt und gezeigt.

Fahrrad fit ohne WerkstattEin altes T-Shirt, ein paar Wattestäbchen und etwas Zeit - das braucht ihr unter anderem, um euer Fahrrad fit zu machenGepostet von SWR3 am Donnerstag, 18. Juni 2020

2. Luftdruck checken

Je nach Fahrradtyp und Körpergewicht passend einstellen – nicht knallhart aufpumpen.

Vor allem beim Mountainbike verursachen kleine Unterschiede im Luftdruck schon sehr große Änderungen im Fahrverhalten. Probiert's aus!

Orientierung für den richtigen Luftdruck:

  • Touren und Trekkingrad ca. 3-4,5 bar
  • Rennrad: 6-9 bar
  • Mountainbike: 1,8-3 bar

Profi-Tipp: Der Ventil-Trick. Vor dem Aufsetzen der Pumpe beim Sclaverandventil beziehungsweise dem französischen Ventil den Ventilkopf leicht antippen, bis etwas Luft entweicht. Das hilft gegen leicht verklebte Ventile und das Aufpumpen klappt besser.

ACHTUNG: Nicht an der Tankstelle mit Kompressor befüllen – dabei platzt schnell der Reifen!

3. So ölst du die Kette deines Rads richtig

Eine gut geschmierte Kette läuft nicht nur leise und geschmeidig, sie rostet auch nicht, hält länger und eure Schaltung flutscht einfach leichter.

WICHTIG: Öl ist nicht gleich Öl!

Die typischen Allround-Kriechöle zum Sprühen haben an der Kette nichts verloren, da sie alles an Schmierstoff aus den Rollen der Kette herausspülen und nicht anhaltend schmieren.

Also: ausschließlich für Fahrradketten geeignete Schmierstoffe benutzen.

Für Trekking und Rennräder eignet sich alles von günstigem Fahrradöl bis hin zum teuren hightech Keramik-Schmierstoff.

Für Mountainbikes und alle, die gern im Dreck fahren, ist ein sogenannter Trockenschmierstoff, den es in der Flasche oder zum Aufsprühen gibt, die erste Wahl. Die Kette bleibt länger sauber und kann leichter gereinigt werden. Leider muss man öfter mal nachschmieren als mit gutem Kettenöl.

Profi-Tipp: Die Kette eine Stunde nach dem Schmieren  noch einmal mit einem Lappen leicht abreiben, dann habt ihr eine gut geschmierte und trotzdem saubere Kette.

ACHTUNG: Beim Verwenden von Öl oder Trockenschmierstoff zum Sprühen immer darauf achten, dass der Sprühnebel bei Scheibenbremsen nicht auf die Bremsscheibe gelangen kann oder bei Felgenbremsen auf die Felge. Lieber einen Lappen dazwischen halten.

 

4. So beugst du Kettenverschleiß vor

Den Verschleiß könnt ihr am besten mit einer Kettenlehre überprüfen. Die Anwendung ist ganz einfach. Eine Kettenlehre gibt’s schon für weniger als 5 Euro.

Auch beim Kettentausch immer die Kassette begutachten: Sind die Ritzel abgenutzt und bekommen eine leichte „Haifischzahn“-Form, dann muss die Kassette auch getauscht werden, da sich Kassette und Kette aufeinander einlaufen und das ledigliche Erneuern der Kette dazu führt, dass die Schaltung nicht mehr sauber läuft.

Im schlimmsten Fall rutscht die Kette durch, was zum Sturz führen kann.

Kassetten und Ketten gibt es in verschiedenen Preisklassen. Diese unterscheiden sich weniger in ihrer Funktion als in ihrem Gewicht und dem Material. Es muss also fürs Alltagsbike nicht das teuerste sein. Der Tausch ist zwar einfach, erfordert aber Spezialwerkzeug.

Profi-Tipp: Müsst ihr die Kette erneuern, dann kauft eine neue Kette mit Kettenschloss – nicht mit Nietstift. Die könnt ihr auch zukünftig einfacher tauschen.

ACHTUNG: Manche Ketten haben eine vorgegebene Laufrichtung – beim Einbau beachten.

5. Bremsen fit machen für die nächste Fahrt

Bei Scheibenbremsen solltet ihr ab einer Restbelagstärke von ca. 1mm die Beläge zeitnah tauschen. Besonders bei E-Bikes ist der Verschleiß deutlich höher – also regelmäßig nachsehen.

Bei Felgenbremsen erkennt ihr den Verschleiss der Bremsklötze an den Schlitzen: Sind diese kaum noch zu sehen, müssen die Klötze erneuert werden.

Auch die Bremsflüssigkeit muss eventuell getauscht werden, inklusive Entlüftung der Bremse.

WICHTIG: Bremsen müssen immer zuverlässig funktionieren – wer entsprechende Arbeiten nicht sicher beherrscht, sollte das Bike auf jeden Fall zum Fachmann bringen.

Profi-Tipp: Wenn ihr euch entsprechende Arbeiten wirklich zutraut und sicher beherrscht, reinigt beim Belagtausch bei Scheibenbremsen die Bremskolben mit Alkohol, Wattestäbchen und Zahnbürste.

ACHTUNG: Auch bei quietschenden Bremsen niemals Öle oder Fette an die Bremse machen! Auch sogenannter „Bremsenreiniger“ hat an der Bremse nichts verloren, weil er die Dichtungen angreift! Nur Spülwasser, Bikereiniger oder Alkohol verwenden. 

6. Richtig Schrauben überprüfen und nachziehen

Wann immer ihr am Bike schraubt, benutzt einen geeigneten Drehmomentschlüssel.

Ob an Lenker, Sattel oder Bremsen – an modernen Bikes ist fast überall das zulässige Drehmoment neben der Schraube (NM) angegeben.

ACHTUNG: Bei Rahmen oder Anbauteilen aus Aluminium oder Carbon kann man auch mit „Handkraft“ schnell eine Schraube überdrehen oder das Gewinde beschädigen. Teile und Rahmen aus Carbon sind hier besonders empfindlich. Teure Schäden können leicht die Folge sein.

Ein guter Drehmomentschlüssel ist leider nicht ganz billig, aber eine durchaus lohnende Anschaffung für jeden, der gerne selber Hand anlegt.

Profi-Tipp: Sollten beispielsweise Sattelstütze oder Lenker trotz korrektem Drehmoment nicht fest halten oder verrutschen, könnt ihr eine geeignete Montagepaste verwenden. Vorsicht: Es gibt dabei verschiedene Pasten für Alu und Carbonteile!

ACHTUNG: Auch ohne viel Kraftanwendung sind Gewinde und Rahmen sehr leicht durch „Anknallen“ von Schrauben zu beschädigen. Immer mit Gefühl und Drehmomentschlüssel!

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7. Im Zweifel beim Fachmann rückversichern

Fahrräder sind keine Raketenwissenschaft – wer nicht grade zwei linke Hände hat und passendes Werkzeug, sollte sich ruhig an kleinere Reparaturen trauen.

Es gibt tolle Werkstatt-Apps für Selberschrauber und auch entsprechende Fachliteratur.

Aber: Im Zweifelsfall immer zum Fachmann, gehen bevor ihr euer schönes Bike „kaputt repariert“ oder gefährliche Fehler einbaut.

Lieblingstipp von Daniel Pütz: Pflegt euer Bike regelmäßig und ohne Hochdruckreiniger – dann fällt euch auch eher auf wenn etwas nicht stimmt, der Verschleiß an Kette und Dämpfern reduziert sich erheblich und ihr habt definitiv länger Freude dran.

Meine Bikes haben in den letzten zwei Jahren zusammen ca. 25.000 km bei Wind und Wetter mitgemacht, Rennen überstanden und schweres Gepäck schleppen müssen – ohne Pannen und Defekte. Sie bekommen aber auch viel Liebe.