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Durch den Song "Devil's Haircut" von 1996 schafft es Beck auf einen Schlag, in die Hall Of Fame sämtlicher Alternative Rock-Fans einzuziehen. Das Album, das mal eben Folk, Blues, Funk, Metal und Hip Hop zu einem grobschlächtigen Stil-Mischmasch formt, erscheint genau zum richtigen Zeitpunkt und bringt dem schlaksigen Beatnik-Bewunderer immense Applausstürme ein, obendrein zwei Grammy Awards. Ein Produzentenduo ist am Erfolg jedoch nicht ganz unbeteiligt: Die Dust Brothers ernten mit "Odelay" späte Anerkennung, nachdem sie bereits 1989 an "Paul's Boutique" der Beastie Boys ihre Groove orientierte Sampletechnik austesteten. Doch für Beck Hansen, am 8. Juli 1970 als Sohn des gefragten Studiomusikers David Campbell in Los Angeles geboren, gibt es ein Leben vor "Odelay". Mitte der 80er Jahre verlässt er die High School, um stattdessen durch Amerika zu reisen. Die Akustische immer im Gepäck, spielt er in Bars, Kneipen und auf der Straße, was natürlich nicht zum Lebensunterhalt reicht. Ende der 80er hält sich Beck auch eine Zeit lang in Deutschland auf, wo sein Großvater lebt, der Fluxus-Künstler Al Hansen, der ihn später sehr inspirieren sollte. Doch erst als Beck Anfang der 90er nach L.A. zurück kehrt, kümmert er sich um seine Karriere. Die ersten, streng limitierten Veröffentlichungen "Golden Feelings" (1993) und "A Western Harvest Field By Moonlight" (1994) erscheinen auf Kleinstlabels. Einfacher und billiger zu erstehen sind heute die '94er Werke "One Foot In The Grave" und "Stereopathetic Soul Manure", die beide frühe LoFi-Demos aus den Jahren 1988 bis 1994 beinhalten. Erst im Jahr 1994 startet der Genregrenzen negierende Folkrocker richtig durch, allerdings nicht mit seinem ersten Major-Album "Mellow Gold", sondern der darauf befindlichen Single "Loser". Der eingängige Song, der als Musterbeispiel für den Sound einer Slide-Gitarre gelten darf, fußt auf einem simplen Delta Blues-Riff, das seine Faszination durch die Vermengung mit schlurfenden Hip Hop-Beats und Becks tonlosem Sprechgesang erfährt. Bald tobt jede Indie-Disco zu den Beats. Kein Wunder, bei Becks Refrainzeilen: "I'm a loser baby, so why don't you kill me?" Dass Kurt Cobain kurz darauf Ernst und seinem Leben ein Ende macht, katapultiert den Song einmal mehr in diesen Status. 2005 erscheint mit "Guero" sein bereits sechstes Majoralbum. Und das sperrige "Epro" findet sogar in der Harald Schmidt Late Night Show statt. Man kann mit Fug und Recht behaupten, Herr Hansen spiele inzwischen in der musikalischen ersten Liga.